Liebe Gemeindeglieder und Gäste!   

 

Jesus als guter Hirte, frühchristliche Deckenmalerei von ganz unten, finden sich in der Calixtus-Katakombe in Rom, aus den Jahren um 250 - in bedrohter und bedrängter Zeit veranschaulichen sie das Hirtenwort:

 

Spruch zur Woche nach dem Hirten Sonntag Misericordias Domini:

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben.                                      Johannesevangelium 10, 11.27.28a

 

Das Bild des Guten Hirten steht für Vertrauen, Schutz, Geborgenheit und durchzieht die Bibel wie ein Wegweiser. Von Abel über Abraham, Jakob, Josef, Mose, David zieht sich diese Linie bis zu den Königen und Propheten Israels. Vom großen Philosophen Immanuel Kant sogar wird erzählt, dass er seine ganze Bibliothek dran gäbe für den Trost in eben dieser innigen Beschreibung des 23.Psalms „…und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück… du bist bei mir.“

Im Johannes Evangelium sagt Jesus: „Ich bin der gute Hirte.“

                        Tatsächlich zeigt die Tatsache, dass seine Geburt zuerst Hirten verkündet wurde, die nachts bei ihren Herden wachen, für alle Zeit an, wo und wie Gott sich finden läßt. Sie suchen ein Kind - und finden den Hirten aller Hirten.

Ja, der Hirte kennt seine Schafe, was aber ist, wenn die Schafe den Hirten nicht mehr kennen?

 

Herta Müller – die rumänische Literaturnobelpreisträgerin - hat alarmierend in ihren Büchern gezeigt, wie schnell die prägendsten Bilder unserer Kultur, je nach Gebrauch und Umgang, ihren Halt, ihre Kraft und sogar ihr Gewissen verlieren können… „Es ist kein Verlass mehr auf Wörter wie Himmel, Schmerz, täglich Brot oder Vater…“ schreibt sie.

 

Allerdings gleich am Anfang ihres Romans „Atemschaukel“ beschreibt sie doch tröstlich die andere Erfahrung: Ein 17jähriger Rumäne packt im Januar 1945 eilig den Koffer, bevor er zur Deportation nach Russland in einen Güterwagen verladen wird. Mit dem Nötigsten an Kleidung und Nahrung versucht er auch seinen Gedanken-Vorrat zu ordnen.

In den Sinn kommt ihm ein letzter Besuch in der nahen Kirche: „Neben dem Seitenaltar auf einer Säule stand der Heilige im grauen Mantel und trug als Mantelkragen ein Schaf. Dieses Schaf im Nacken ist das Schweigen. Es gibt Dinge, über die man nicht spricht. Aber ich weiß, wovon ich rede, wenn ich sage, dies Schweigen im Nacken ist etwas sehr anderes als das Schweigen im Mund.“

Weder die Bibel kennt der junge Mann noch den guten Hirten. Der aber tröstet und rettet dennoch als „Unbekannter und Namenloser“.

Im Lager erinnert sich der junge Gefangene immer wieder an das Schaf im Nacken mit seinem so sprechenden Schweigen.

Und das Bild vom guten Hirten wird ihm mit diesem Schweigen zur Überlebens-Strategie: Eben leiblich und innerlich zu bleibenim Hause des Herrn immerdar. Darauf setzt der biblische Glaube - und unser Vertrauen auch. So sei es – Amen

 

 

 

 

Eine behütete Woche wünscht Ihnen

Pfrin. Helga Steible-Elsässer

Predigtgedanken zu Palmsonntag 2020 - siehe: Predigten

Predigtgedanken für Sonntag Judika 29. März 2020

Predigtgedanken für Sonntag Judika 29. März 2020

Hebräer 13, 14: Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 Liebe Leserin und lieber Leser,

dieser Satz steht am Ende des Hebräerbriefes wie eine Erinnerung oder eine Ermahnung für uns Menschen: Passt auf! Gebt acht, auf was ihr hofft oder wem ihr vertraut?

Diese Fragen bewegen mich auch in den letzten Tagen und Wochen: Auf was kann ich mich verlassen? Auf wen kann ich vertrauen?

Da bringt eine Krankheit, da bringt eine Pandemie so vieles Feste und Gewohnte ins Wanken. Schulen, Kinder-tages¬stätten, Fabriken, Kirchen werden geschlossen, um dem Virus Einhalt zu gebieten. Termine und Vorhaben, die schon jahrelang geplant und vorbereitet wurden, müssen abgesagt oder verschoben werden. Die Worte aus dem Hebräerbriefes machen es auf seine Art und Weise deutlich, unser Leben und Dasein auf der Erde ist vorläufig. Es ist begrenzt und immer wieder sehr gefährdet.

Oder positiv ausgedrückt: Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist ein Geschenk, das wir dankbar aus Gottes Hand annehmen dürfen. Aber das ist nicht alles.

Gott verheißt uns noch viel mehr: Siehe, ich mache alles neu! Gott wird bei den Menschen wohnen und Er wird abwischen alle Tränen. Der Tod wird nicht mehr sein und kein Leid und keine Krankheit wird mehr existieren (Offenbarung des Johannes, Kapitel 21). Diese Worte sind für mich ein großer Trost und keine Vertröstung. Sie sind wie ein leuchtender Regenbogen oder ein Licht, das bereits jetzt in die Dunkelheit fällt. Passt auf! Gebt acht, auf was ihr hofft oder wem ihr vertraut? Jesus Christus spricht: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung des Johannes 1, 17+18)

Herzliche Grüße und einen gesegneten Sonntag,

  Pfarrer Georg Braunmüller.