Predigt am Bauernmarkt in Hausen vom 9.9.2018 10.30 Uhr im Bauhof

Thema: Einer trage des anderen Last…

Liebe Gemeinde auf dem Bauernmarkt in Hausen!

Ich war im letzten Monat in Israel und in Jordanien zu einer Studienreise und auch zum Urlaub machen.
Da war es ein besonderes Erlebnis, neben dem Besuch von bib­lischen Orten oder antiken Stätten, Märkte zu besuchen. Gleichgültig ob es der Basar in Akko oder in der Altstadt von Jerusalem war, oder ob es neuere Märkte in Jaffa oder Tel Aviv waren.
Es war eine stets eine interessante Sache, in die Welt des Handelns und Verkaufens einzutreten. Mir macht es Freude die besonderen Gerüche wahrzu­neh­men: Hier das frische Obst, da der hoffentlich auch frische Fisch oder der Fleischer, dort eine scheinbar nicht zu endete Fülle von Gewürzen, Tees und Kräuter. Natürlich auch viel Kleidung und manchen Kruscht, den man braucht oder auch nicht. Und immer wieder aufs Neue wieder festzustellen, wo muss man, wo soll man, wo darf man um eine Ware feilschen oder auch nicht. Und jeder von den Händlern oder Verkäuferinnen hat da so seine Strategie. Probieren Sie doch mal von den Feigen oder von den guten Nüssen? Nehmen Sie doch mal die Tasche in die Hand! Schauen Sie sich doch den Ring oder die Kette genauer an und ziehen sie sie an. Sieht das nicht wunderbar aus? Und fast schon ist man dabei………

Liebe Vorbereitende vom OGV Hausen, liebe Helfer und Mitwirkende des Marktes, liebe Handwerker oder Unternehmer, liebe Markthändler und Vertreter von Vereinen oder Gruppen, welche Erwartungen haben Sie an den Bauernmarkt?
Wie kommen Sie ins Gespräch mit den Interessierten?
Wie weckt man das Interesse für die Waren oder für den Besuch des Betriebs?

Da scheint es mir ähnlich wie auf allen Märkten zu sein, so richtig geht das nur, wenn man seine Arbeit oder seine Waren auch wirklich gut findet. Die Äpfel sind eben nicht nur irgendeine Ware, sondern ein ganz besonderes Obst aus der Region, oder es sind be­stimmte Sorten, die ihren eigen Duft und Geschmack haben. Jakob-Fischer, Delicius, Boskop oder Oberländer…. Das lässt sich genauso auf den Honig, den Käse oder die Wurst oder anderes übertragen.
Und in gewisser Weise geht es mir als Pfarrer und als Ver­treter der evangelischen Kirchengemeinde auch so: Ich möchte Ihnen etwas aufs Herz legen. Ich möchte Ihnen auch ein Versucherle anbieten und Sie zum Glauben einzuladen.
„Verkaufen“ kann ich das nicht, auch wenn das manche so empfinden mit der Frage nach Spenden, nach Mithilfe oder der Kirchensteuer.
Ich möchte Sie bitten vorzustellen und dabei besonders ihre Nase zu gebrauchen, wie beim Besuch von einem Markt, um dann mit den Düften oder Gerüchen etwas zu erkennen. - In den orthodoxen oder katholischen Kirchen kann man den Glauben in Form von Weihrauch erkennen. - Einige sagen, wenn es modrig oder nach abgestandener Luft riecht, dann bin ich in einer alten Kirche. - Für mich riecht es nach Kirche, wenn ich Wachsgeruch in der Nase habe, oder wenn wir bei einem Kirchenkaffee oder anderen Gelegenheit etwas zusammen essen. Das kann auch im Kindergarten oder beim Seniorennachmittag sein. Glauben heißt Gemeinschaft. Glauben ist keine Sache für den Einzelnen.

Der Apostel Paulus hat immer wieder versucht, den Glauben auf den Punkt zu bringen: Im Galaterbrief im sechsten Kapitel, Vers zwei sagt er: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Mit „Gesetz“ könnte man auch „Regel“, „Prinzip“ oder „Maßstab“ nennen. Wer Christ ist, wem der Glauben an Jesus und seinen Vater wichtig ist, der schaut nicht nur auf sich, sondern auch nach dem Anderen. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Für Paulus ist das Bibellesen, das Gebet und Singen nicht unwichtig, dazu macht er an andere Stelle genug Ausführ­ungen. Aber er sagt immer wieder: Dreht euch nicht um euch selber, um eure Familie … sondern tragt die Last des anderen. Nehmt den Anderen in Blick. Helft mit! Packt an! Hört zu! Überhört nicht die Kinder oder die Bitten der Kranken oder alten Menschen. Helft mit, wo Hilfe notwendig ist. Ob man dafür etwas erhält oder nicht, kommt es nicht darauf an.

Sich für andere einsetzen, das tun nicht nur Christen, das tun viele andere auch. – Gott sei Dank! – Paulus gibt uns Christen dies zu denken! Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Manchmal denke ich, sollte ich, sollten wir Christen, bessere „Händler sein“. Mehr Rufen und mehr Schreien. Mehr Werbung machen. Mehr „Versucherle“ anbieten. Noch bunter werden…… Aber dann werde ich durch so ein Wort des Paulus wieder neu in meinem Glauben geerdet. Du brauchst keine neuen Ver­kaufs­programme für den Glauben. Versuche doch die Lasten des anderen zu tragen, mitzu­tragen. Versuche doch mit ihm ein Stück seines Weges zu gehen. Gemeinsames Leid ist halbes Leid. Geteilte Freude ist doppelte Freude. An dieser alten Weisheit ist viel Wahres dran.
Die Kirchengemeinde Hausen hat ihre Kirche am Wochen­markt immer geöffnet. Wer möchte kann dort beten oder eben eine Zeit für sich haben. Einmal im Monat, so wie letzten Donnerstag, gibt es das „Wort zum Markttag“, um 9.30 Uhr mit einem Gedanken aus der Bibel und zum Glauben“. Schauen Sie doch mal vorbei.

Ich wünsche heute allen Beteiligten am Bauernmarkt, ihre Sache mit viel Herz zu machen und mit den Angeboten, mit den Waren auch ein Stück weit die „Last des anderen zu tragen“, damit unser Leben leichter und fröhlicher sein kann im Sinne von Jesus Christus.

Amen